Interkulturelle Kommunikation: Eigenheiten der Österreicherinnen

In diesem Blogartikel geht es um die Frage, welche kulturellen Eigenheiten internationale Mitarbeitende eigentlich in Österreich finden. Außerdem klären wir, ob Österreich-Trainings auch für Deutsche sinnvoll sind. Denn .. wir sind ja eigentlich Nachbarn, richtig? Und die gleiche Sprache sprechen wir auch.

WELCHE KULTURELLEN EIGENHEITEN FINDEN INTERNATIONALE MITARBEITENDE IN ÖSTERREICH?

Natürlich sind nicht alle Menschen in Österreich gleich. Und trotzdem gibt es – wie in jeder Kultur – gewisse Wertehaltungen im österreichischen Arbeitsleben. Nach denen die meisten Menschen sich mehr oder weniger stark verhalten und kommunizieren.

Meine internationalen Trainings-Teilnehmer*innen berichten mir immer wieder von folgenden Wertehaltungen, die ihnen bei den Menschen in Österreich besonders auffallen. Dabei kommt es immer darauf an, aus welcher Kultur sie stammen, denn erkennen kann man Unterschiede immer nur im Kontrast.

Für eine Deutsche sind viele Österreicher*innen vielleicht indirekt, für einen Chinesen sind sie direkt. Den Deutschen etwa fallen besonders diese Unterschiede auf bzgl. interkulturelle Kommunikation:

+ Die österreichische Beziehungsorientierung im Arbeitsleben

+ Die indirekte Kommunikation: Negatives Feedback wird eher zwischen den Zeilen kommuniziert.

Harmoniestreben und Konfliktvermeidung

+ Eine gewisse Flexibilität im Umgang mit Regeln und Zeit

+ Die Bedeutung von Titeln bei gleichzeitiger geringer Machtdistanz

+ Und besonders für Menschen aus Deutschland: verfreundete Nachbarschaft, die gemeinsame Geschichte und ihre Folgen auf die gegenseitige Wahrnehmung.

Was das im Einzelnen bedeutet
Es gibt in Österreich die Tendenz, wichtige Themen auf informeller Ebene miteinander zu besprechen. Daher ist es wichtig, dass internationale Führunsgkräfte hier einen guten Zugang zu den Mitarbeitenden bekommen. Auf der Beziehungsebene. Das ist besonders für Menschen aus Deutschland oftmals eine Herausforderung.

Auch sollte möglichst niemand in der Abteilung übergangen werden. Besonders wenn Entscheidungen von oben getroffen werden ist es wichtig, möglcisht alle im Vorfeld zu informieren und in den Entscheidungsprozess miteinzubeziehen. Sonst kann es passieren, dass die Entscheidung blockiert wird. Diese Erwartungshaltung hat mit der Harmonie-Orientierung in Österreich zu tun.

Manager*innen aus anderen Ländern werden mit einer gewissen Formalität in Interaktionen in Österreich konfrontiert, die ihnen oft fremd ist. Dazu gehört, dass akademische Titel in Ost-Österreich, das heißt vor allem in Wien, in der höflichen Anrede üblicherweise verwendet werden.

Damit wird der soziale Status angezeigt, der durch ein akademisches Studium höher eingestuft wird und der betreffenden Person daher mehr Respekt entgegengebracht wird. Dahinter liegt die Wertschätzung dieser Person auf Grund ihres sozialen Status, aber auch eine Hierarchieorientierung.

Diese Haltung ist immer gegenüber Personen aus anderen Ländern erklärungsbedürftig. In international tätigen Unternehmen fällt diese formelle Anrede meistens weg, wenn die Unternehmenssprache Englisch ist. Dennoch ist es wichtig, über diese formelle Umgangsform Bescheid zu wissen.

Trotzdem Titel in Österreich wichtig sind, findet man auf formeller Ebene flache Hierarchien. Mitarbeiter, die fachlich eine hohe Expertise aufweisen (dazu gehörten auch Facharbeiter), gelten als Experten und genießen hohes Ansehen und Wertschätzung.

Daher besteht zwischen ihnen und ihren Vorgesetzten meistens ein gutes und auf Wertschätzung beruhendes Verhältnis. Diese Mitarbeiter arbeiten selbstverantwortlich und in ihrem Team. Sie sind gewohnt, in ihrem Arbeitsumfeld Entscheidungen zu treffen, die nur grob mit dem Vorgesetzten abgesprochen werden.

Sie zu kontrollieren wäre für sie sehr demotivierend, da es als Vertrauensbruch angesehen wird. Gute Arbeit wird somit über gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung geliefert. Kontrolle hat hier keinen Platz. Manager aus anderen Ländern, die aus Unternehmen mit sehr steilen Hierarchien kommen, sollten sich über die flachen Hierarchien in diesem Kontext bewusst sein.

WARUM IST EIN ÖSTERREICH-TRAINING AUCH FÜR DEUTSCHE SINNVOLL?

Sprache ist nicht gleich Kultur. Kultur sind Wertehaltungen die sich in Verhaltensweisen äußern. Und genau diese Verhaltensweisen führen zu interkulturellen Missverständnissen.

Etwa, wenn eine Deutsche ein sehr direktes und sachliches Feedback gibt, dass ein Österreicher als enorm unhöflich erlebt. Der Deutsche hatte aber überhaupt nicht die Absicht unhöflich zu sein.
Sie hingegen versteht die österreichische Indirektheit nicht und wundert sich, „was der eigentlich sagen will“ oder „dass der irgendwie hinterlistig ist, weil er ja nicht sagt, was er denkt“.

Ein interkulturelles Missverständnis.

Denn weder ist der Deutsche unhöflich, noch der Österreicher hinterlistig. Sie verhalten sich lediglich so, wie sie es in ihrer Kultur gelernt haben und nehmen dieses Verhalten als das Richtige und ihre Wahrnehmung als die stimmende Realität an.

Fatal.

Und gleichzeitig sehr menschlich. Wir alle machen das. Ständig.

Deshalb sind auch Interkulturelle Trainings so wichtig, die weniger to do Listen über fremden Kulturen – also Stereotype – vermitteln, sondern die sowohl auf der kognitiven, affektiven und der Verhaltensebene ansetzen.

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